Keuchhusten bei Erwachsenen: Symptome und Behandlung
Keuchhusten, medizinisch Pertussis genannt, wird häufig als reine Kinderkrankheit wahrgenommen. Tatsächlich erkranken jedoch auch Erwachsene regelmäßig daran – oft mit einem Verlauf, der nicht sofort als Keuchhusten erkannt wird. Gerade in der Erkältungssaison von November bis März ist die Abgrenzung zu anderen Atemwegsinfekten wichtig, um die Erkrankung richtig einzuordnen und angemessen zu behandeln.
Was ist Keuchhusten (Pertussis)? Kurzer Überblick
Keuchhusten ist eine bakterielle Infektion der Atemwege, ausgelöst durch das Bakterium Bordetella pertussis. Die Bakterien setzen sich an der Schleimhaut der Atemwege fest und reizen diese über einen längeren Zeitraum. Anders als bei vielen viralen Atemwegsinfekten klingt der Husten bei Pertussis nicht nach wenigen Tagen ab, sondern zieht sich häufig über mehrere Wochen.
Durch verfügbare Impfungen ist Keuchhusten in den letzten Jahrzehnten seltener geworden, kommt bei Erwachsenen aber weiterhin vor – insbesondere dann, wenn der Impfschutz nicht regelmäßig aufgefrischt wurde. Ein Grundimmunschutz aus der Kindheit hält nicht lebenslang an.
Symptome bei Erwachsenen: Wie sich Keuchhusten zeigt
Bei Erwachsenen verläuft Keuchhusten oft untypisch und wird zunächst mit einer gewöhnlichen Erkältung oder Bronchitis verwechselt. Charakteristische Anzeichen sind:
- Anfangs leichte Erkältungssymptome wie Schnupfen und leichtes Fieber
- Nach einigen Tagen zunehmender, trockener Husten
- Hustenanfälle, die sich über Wochen verstärken statt abzuklingen
- Teils würgender Husten mit anschließendem tiefen, keuchendem Einatmen
- Erschöpfung nach den Hustenanfällen
- Bei manchen Erwachsenen kein typisches „Keuchen“, sondern vor allem ein hartnäckiger Reizhusten
Das Fehlen des klassischen keuchenden Geräuschs bei Erwachsenen ist einer der Gründe, warum die Erkrankung häufig erst spät erkannt wird. Wer die Entwicklung des eigenen Hustens genauer einordnen möchte, findet ergänzende Informationen im Beitrag zu Husten: Ursachen, Dauer und wann ein Arztbesuch nötig ist.
Typischer Verlauf und Phasen der Erkrankung
Keuchhusten verläuft klassischerweise in drei Phasen:
1. Katarrhalische Phase (etwa 1–2 Wochen)
Erkältungsähnliche Symptome wie Schnupfen, leichtes Fieber und ein beginnender Husten stehen im Vordergrund. In dieser Phase ist die Ansteckungsgefahr am höchsten.
2. Konvulsive Phase (mehrere Wochen)
Der Husten verstärkt sich zu anfallsartigen Attacken. Diese können mit einem pfeifenden Einatmen enden, teilweise begleitet von Erbrechen oder starker Erschöpfung.
3. Rekonvaleszenzphase (mehrere Wochen bis Monate)
Die Hustenanfälle werden seltener und schwächer, klingen aber oft nur langsam vollständig ab.
Insgesamt kann sich der gesamte Verlauf über sechs bis zehn Wochen oder länger hinziehen – daher wird Keuchhusten im englischen Sprachraum auch als „100-Tage-Husten“ bezeichnet.
Unterschied zu Bronchitis und anderen Hustenformen
Eine akute Bronchitis und Keuchhusten ähneln sich zu Beginn stark, unterscheiden sich im weiteren Verlauf jedoch deutlich. Bei einer klassischen Bronchitis klingt der Husten meist innerhalb von ein bis drei Wochen ab. Bei Keuchhusten hält er deutlich länger an und nimmt in der zweiten Phase eher zu als ab.
Auch die Art des Hustens unterscheidet sich: Während Bronchitis häufig mit produktivem Husten und Auswurf einhergeht, ist Keuchhusten vor allem durch anfallsartige, trockene Hustenattacken geprägt. Eine ausführliche Gegenüberstellung von Symptomen und Verlauf finden Sie im Beitrag Bronchitis: Symptome & Verlauf.
Auch eine Abgrenzung zu grippalen Infekten oder einer echten Influenza ist sinnvoll, da sich die Behandlungsansätze unterscheiden. Informationen zur diagnostischen Abklärung finden Sie im Beitrag zum Influenza-Schnelltest sowie im Vergleich Corona-Schnelltest vs. Grippe-Schnelltest.
Ansteckung und Dauer der Erkrankung
Keuchhusten wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, etwa beim Husten, Niesen oder engen Kontakt. Die höchste Ansteckungsgefahr besteht in der frühen, katarrhalischen Phase, wenn die Erkrankung oft noch nicht als Keuchhusten erkannt wird.
Ohne Behandlung bleiben Erwachsene über mehrere Wochen ansteckend. Eine frühzeitige antibiotische Behandlung kann die Dauer der Ansteckungsfähigkeit verkürzen, hat auf den bereits bestehenden Husten selbst aber oft nur einen begrenzten Einfluss, da die Schleimhautreizung durch die vorangegangene Infektion bereits eingesetzt hat.
Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten
Die Diagnose von Keuchhusten bei Erwachsenen erfolgt über eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und – je nach Krankheitsphase – laborchemischen Verfahren wie einem Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum oder einer Blutuntersuchung. Da die Symptome in späteren Phasen unspezifisch werden können, ist eine sorgfältige fachärztliche Einordnung wichtig.
Die Behandlung richtet sich nach der Krankheitsphase:
- In der Frühphase können Antibiotika die Ansteckungsdauer verkürzen
- Symptomatische Maßnahmen wie ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Schonung unterstützen den Heilungsverlauf
- Bei stärkeren Beschwerden oder Komplikationen kann eine weiterführende internistische Abklärung sinnvoll sein
Gerade bei Vorerkrankungen der Atemwege oder anhaltendem Husten über mehrere Wochen sollte eine fachärztliche Untersuchung erfolgen, um andere Ursachen auszuschließen.
Impfauffrischung als Präventionsmaßnahme
Da der Impfschutz gegen Pertussis nach der Grundimmunisierung im Kindesalter mit den Jahren nachlässt, empfehlen die österreichischen Impfempfehlungen (Nationaler Impfplan) eine Auffrischung mit einem Kombinationsimpfstoff (Tdap, meist zusammen mit Tetanus und Diphtherie) alle 10 Jahre im Erwachsenenalter. Besondere Bedeutung hat die Auffrischung bei Schwangeren, idealerweise im letzten Trimenon, da dadurch mütterliche Antikörper über die Plazenta auf das Neugeborene übertragen werden und dieses in den ersten, besonders vulnerablen Lebensmonaten vor schweren Verläufen schützen („Cocooning-Strategie“). Auch für enge Kontaktpersonen von Neugeborenen (Eltern, Großeltern, Betreuungspersonen) sowie für Personal im Gesundheits- und Pflegebereich wird eine aktuelle Pertussis-Immunität empfohlen, um die Übertragung auf ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Säuglinge zu verhindern. Eine Auffrischung ist zudem sinnvoll bei geplantem engem Kontakt zu Risikogruppen, unabhängig vom Zeitpunkt der letzten Impfung, sofern dieser mehr als 5 Jahre zurückliegt.
Wann eine fachärztliche Abklärung sinnvoll ist
Ein Hustenanfall, der über zwei bis drei Wochen anhält oder sich sogar verstärkt, ist ein Anlass für eine lungenfachärztliche Abklärung. Das gilt besonders, wenn zusätzlich Atembeschwerden, starke Erschöpfung oder nächtliche Hustenattacken auftreten.
In unserer Ordination in 1200 Wien (Brigittenau) wird eine ganzheitliche internistische Beurteilung von Husten- und Atemwegsbeschwerden angeboten. Die Ordination steht Patient:innen aller Kassen sowie Privatpatient:innen offen, sodass eine fachärztliche Abklärung unkompliziert möglich ist.
Bei anhaltendem oder ungewöhnlichem Husten empfiehlt sich eine zeitnahe Untersuchung, um Keuchhusten von anderen Atemwegserkrankungen abzugrenzen und eine passende Behandlung einzuleiten. Über die Terminbuchung lässt sich ein Untersuchungstermin einfach vereinbaren; bei Fragen im Vorfeld steht auch der Kontakt zur Verfügung. Einen Überblick über weitere Themen rund um Atemwegserkrankungen bietet der Ratgeber.
Häufige Fragen
Wie erkennt man Keuchhusten bei Erwachsenen von einer normalen Erkältung?
Anders als bei einer Erkältung klingt der Husten bei Keuchhusten nicht nach ein bis zwei Wochen ab, sondern verstärkt sich zunächst und hält über mehrere Wochen an, oft in anfallsartigen Attacken.
Wie lange ist man bei Keuchhusten ansteckend?
Die höchste Ansteckungsgefahr besteht in der frühen Phase der Erkrankung. Ohne Behandlung kann die Ansteckungsfähigkeit mehrere Wochen andauern, eine frühzeitige antibiotische Therapie kann diesen Zeitraum verkürzen.
Hilft eine Impfung gegen Keuchhusten auch im Erwachsenenalter?
Der Impfschutz aus der Kindheit lässt mit der Zeit nach. Eine regelmäßige Auffrischung kann das Erkrankungsrisiko im Erwachsenenalter senken, ersetzt jedoch keine individuelle ärztliche Beratung.
Muss Keuchhusten bei Erwachsenen immer mit Antibiotika behandelt werden?
Antibiotika sind vor allem in der Frühphase sinnvoll, um die Ansteckungsdauer zu verkürzen. In späteren Phasen stehen häufig symptomatische Maßnahmen und eine fachärztliche Begleitung im Vordergrund.
Wann sollte bei anhaltendem Husten eine fachärztliche Untersuchung erfolgen?
Hält der Husten länger als zwei bis drei Wochen an oder verstärkt er sich, ist eine lungenfachärztliche Abklärung sinnvoll, um Keuchhusten und andere Ursachen sicher zu unterscheiden.